Fragen & Antworten


5457









Woran Sie erkennen, dass jemand der Ihnen nahe steht unter Mobbing leidet

Der/die Betroffene wird zunehmend schweigsamer und erzählt Ihnen nichts mehr über sich und seinen Alltag. Immer öfters wird über Kopf und Bauchschmerzen geklagt. Einschlaf oder Durchschlafstörungen führen zu Konzentrationsschwierigkeiten und Schwäche. Er/sie wirkt gereizt und launisch. Außenstehende empfinden das Verhalten des/der Betroffenen für übertrieben und nehmen ihn/sie als aufbrausend und empfindlich wahr. Zunehmend wird der/die Betroffene antriebsloser, igelt sich am liebsten ein und bleibt für sich. 


Was können Sie tun?

Sobald Sie erkennen, dass sich der/die Betroffene zu verändern beginnt, sollten Sie Ihre Hilfe anbieten. Das kann Beispielsweise ein Gespräch sein, indem Sie keine Ratschläge oder Tipps geben sollten. Der/die Betroffene wünscht sich sehr oft nur jemanden der zuhört und ihn/sie nicht mit Tipps und Ratschlägen zusätzlich unter Druck setzt. Vielleicht können Sie den Betroffenen anregen zu überlegen, welche Möglichkeiten er hat und welche er sich in der Lage sieht auch umzusetzen. Eltern eines  mobbingbetroffenen Kindes sollten mit der Schule Kontakt aufnehmen.    


Wo finden Sie Hilfe?

Bei Ihrem Hausarzt, Ihrem Vorgesetzten, Betriebsrat, bei der psychologischen Beratungsstelle, dem Klassenlehrer, beim der Schulsozialarbeiterin oder Schulsozialarbeiter, beim Direktor der Schule, bei der Beratungsstelle der Polizei, beim Psychologen und beim Coach. 


Was können Eltern tun, deren Kind gemobbt wird?

Eltern sollten ihren Kindern vor allen Dingen vertrauen und glauben. Beobachten Sie Ihr Kind, oftmals können Sie die psychische Verfassung Ihres Kindes an der Körperhaltung erkennen. Der Köper ist ohne Spannung vornüber gebeugt, die Schultern hängen nach vorne, der Kopf hängt herab und Blickkontakt wird vermieden. Sie sollten das, was ihr Kind erzählt, nicht infrage stellen und ihm immer wieder sagen, dass es gut so ist, wie es ist und dass sie es lieben. Nehmen Sie sich Zeit und hören Sie zu, was ihr Kind zu erzählen hat, nehmen sie die Gefühle und Ängste Ihres Kindes ernst. Auch eine plötzliche Verhaltensänderung und Leistungsabfall können ein Arlamsignal sein. Außerdem sollten sie die Schule informieren und in die Pflicht nehmen. Nehmen Sie Kontakt mit den Eltern auf oder bitten Sie, wenn Sie sich dazu nicht in der Lage fühlen, die Schule um Hilfe. Vermeiden Sie in diesem Gespräch das Wort „Mobbing“. Sprechen Sie von einem Konflikt den Sie gerne klären möchten. Bleiben Sie sachlich und vermeiden Sie laut zu werden. 


Was sollten Eltern unbedingt vermeiden?

Schuldzuweisungen sind das letzte, was Ihr Kind gebrauchen kann. Kinder in dieser Situation reagieren oft sehr empfindlich und stellen sich und ihr Leben infrage. Sie brauchen vor allem Zuspruch und jemanden, dem sie sich anvertrauen können. Fragen wie: "Was hast du dazu beigetragen?" oder „Warum trifft es immer dich?“ sind wenig hilfreich und wirken sich störend auf das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern aus. Drängen Sie Ihr Kind nicht zu Handlungen, die es nicht begehn möchte. Ein Kind, welches nicht zur körperlichen Gewalt neigt, wird sich höchstwahrscheinlich nicht in einer Mobbingsituation mit den Fäusten wehren. Es/sie wird sich auch nicht dem Schulsozialarbeiter, dem Psychologen oder dem Coach öffnen, wenn er/sie dies völlig ablehnt oder mit Sprüchen um sich hauen. 

Behandeln Sie die Gespräche mit Ihrem Kind streng vertraulich! Möchte Ihr Kind nicht, dass Inhalte des Gespräches nach außen dringen, sollten Sie sich unbedingt daran halten. Ihr Kind wertet es sonst als Vertrauensbruch und wird sich Zukünftig mit seinen Problemen nicht mehr an Sie wenden. Fragen Sie explizit nach, welche Informationen Sie an wen weiterleiten dürfen. In der Regel wendet sich ein/e Mobbingbetroffene/r nur einmal an eine Vertrauensperson, wird er/sie enttäuscht verschließt sie/er sich und es wird dann zunehmend schwieriger ihr/ihm zu helfen. 

© Brigitte Hamacher 2018